Tajemná místaATLAS DER GESCHICHTEN UND SAGEN
Aš · GESCHICHTE AUS DEM ATLAS

Der Adept Lascaris in Böhmen

Illustration zu Der Adept Lascaris in Böhmen
Farbige Illustration im Stil einer Zeichnung des 19. Jahrhunderts

Eine der bemerkenswertesten Geschichten der europäischen Alchemie soll sich unweit von Aš ereignet haben. Der Wertherburger Gesandte Liebknecht kehrte damals von einer diplomatischen Reise aus Wien zurück; ein geheimnisvoller Fremder begleitete ihn. Dieser war gebildet, hatte weite Teile Europas bereist und sprach mühelos mehrere Sprachen.

Unterwegs kam das Gespräch auf die Alchemie. Liebknecht gehörte zu den entschiedenen Skeptikern. Er glaubte nicht an die Verwandlung von Metallen und erklärte, nur dem zu glauben, was er mit eigenen Augen sähe. Sein Begleiter widersprach ihm nicht. Als sie Aš erreichten, führte er ihn einfach zu einem Schmied.

Der Versuch sollte unmittelbar an der Schmiede stattfinden. Wegen der späten Stunde musste er jedoch verschoben werden. Am folgenden Tag füllte der Unbekannte Quecksilber in einen Tiegel, gab eine kleine Menge roten Pulvers hinzu und erhitzte alles.

Vor den Augen der Anwesenden begann das Quecksilber fest zu werden.

Als sie den Inhalt des Gefäßes ausgossen, lag der Erzählung zufolge kein Quecksilber vor ihnen, sondern ein prächtiges Stück Gold.

Der Fremde beschloss, den Versuch zu wiederholen. Diesmal hielt er das Ergebnis jedoch nicht für vollkommen genug. Deshalb schmolz er das Metall erneut und fügte einen weiteren unbekannten Stoff hinzu. Die goldene Farbe verschwand beinahe augenblicklich, und das Metall wurde weiß.

Nach dem Erkalten soll sich gezeigt haben, dass sich das Gold in außergewöhnlich reines Silber verwandelt hatte.

Der geheimnisvolle Alchemist bot Liebknecht beide gewonnenen Metalle zum Geschenk an. Danach verabschiedete er sich und setzte seine Reise nach Frankreich fort.

Die Geschichte wurde vom Historiker des Hermetismus Louis Figuier in seinem Buch Alchemie und Alchemisten aufgezeichnet. Er vermutete, der unbekannte Reisende könne der sagenhafte Lascaris gewesen sein, einer der geheimnisvollsten Adepten seiner Zeit.

Lascaris soll aus einer alten kaiserlichen Familie gestammt haben und zählte der Überlieferung nach zu den bedeutendsten europäischen Alchemisten. Er zog durch verschiedene Länder und trat besonders im deutschen Sprachraum auf. Man schrieb ihm die Einweihung weiterer Adepten und die Kenntnis des Geheimnisses der Metallverwandlung zu.

Angeblich vermied er solche öffentlichen Vorführungen jedoch meistens. Falls der Mann bei Aš tatsächlich Lascaris war, könnte er seine Grundsätze damals nur gebrochen haben, um einen unbeirrbaren Skeptiker zu überzeugen.

Die Sage behauptet sogar, die bei dieser wundersamen Verwandlung benutzten Tiegel seien später an der Universität Jena aufbewahrt worden.

Ob es sich um eine wirkliche Transmutation, einen vollkommen vorbereiteten Trick oder eine später ausgeschmückte Erzählung handelte, lässt sich heute wohl nicht mehr feststellen. Doch dank dieser Geschichte erhielt Aš einen Platz in einem der rätselhaftesten Kapitel der europäischen Alchemiegeschichte.

WO SICH DER ORT BEFINDET

Lage und Karte

Ort
Aš
Gemeinde / Ausgangspunkt
Aš
Bezirk / Region
Cheb
Land
Tschechien
Entfernung und Richtung
23 km NW von Chebu

Eine der bemerkenswertesten Geschichten der europäischen Alchemie soll sich unweit von Aš ereignet haben. Der Wertherburger Gesandte Liebknecht kehrte damals von einer diplomatischen Reise aus Wien zurück; ein geheimnisvoller Fremder begleitete ihn. Dieser war gebildet, hatte weite Teile Europas bereist und sprach mühelos mehrere Sprachen.

Ungefähre Lage auf der Karte

Der Link sucht nach Aš und Umgebung. Der genaue Schauplatz dieser Sage ist in den Quellen nicht belegt.

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QUELLEN DER ERZÄHLUNG

Quellen des ursprünglichen Atlas Tajemná místa · Seite 51

Diese Sage bewahrt eine volkstümliche Erzählung. Ihre Motive sind kein Beleg für übernatürliche Ereignisse.

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