Tajemná místaATLAS DER GESCHICHTEN UND SAGEN
Vimperk · GESCHICHTE AUS DEM ATLAS

Der Geisteresel von Vimperk

Illustration zu Der Geisteresel von Vimperk
Farbige Illustration im Stil einer Zeichnung des 19. Jahrhunderts

Nach einer alten Böhmerwaldsage erscheint im Schloss Vimperk jede Mitternacht ein seltsamer Geist. Es ist weder ein Ritter noch eine Weiße Frau noch ein verstorbener Adeliger. Ein Esel soll durch die Gänge wandern, doch kein gewöhnliches Tier. Hinter seiner Gestalt verbirgt sich der Sage nach die Seele eines ehemaligen Vimperker Aktuars, eines Beamten, der einst in einen verhängnisvollen Streit geriet.

Die Geschichte beginnt mit zwei Bauern aus der Siedlung Kosmo. Sie sollen gegen den Aktuar einen Meineid geschworen und behauptet haben, er habe Geld von ihnen erpresst. Aufgrund ihrer Aussage wurde der Beamte angeklagt und sollte vor Gericht kommen.

Seine Angst vor dem Urteil wuchs. Der Sage nach verzweifelte er schließlich so sehr, dass er Hilfe dort suchte, wohin sich niemand wenden sollte. In seiner Not rief er den Teufel selbst an.

Und der Teufel antwortete.

Auf der Straße nach Zdíkov soll er beide Ankläger eingeholt und erwürgt haben. Damit endete jedoch die Hilfe. Der teuflische Dienst forderte seinen Preis.

Der Aktuar entging zwar dem menschlichen Gericht, aber nicht der Strafe. Der Teufel soll ihn in einen Esel verwandelt und dazu verdammt haben, als Geist durch das Schloss Vimperk zu irren.

Seitdem hört man angeblich jede Mitternacht seltsame Schritte in einem der Gänge. Aus der Dunkelheit tritt eine gespenstische Eselsgestalt und geht langsam hindurch, als suche sie einen Weg, den es längst nicht mehr gibt.

Es ist kein fröhlicher oder komischer Anblick. Der Esel steht in dieser Sage vor allem für Erniedrigung und Strafe. Der ehemalige Beamte, der mithilfe dunkler Mächte der Ungerechtigkeit entfliehen wollte, wurde schließlich selbst ihr Opfer.

So hat die Sage eine doppelte Bedeutung. Sie erzählt von falschen Anschuldigungen und menschlichem Unrecht, warnt aber zugleich davor, dass ein Bündnis mit dem Teufel nie gut endet.

Auch Josef Váchal hielt die Geschichte in seinem Verzauberten Böhmerwald fest. Dadurch blieb die Sage vom Geisteresel von Vimperk bis heute erhalten.

So soll das Schloss Vimperk jede Mitternacht seinen besonderen Besucher haben: einen Menschen, der dem Gericht entgehen wollte, statt der Freiheit aber ewiges Umherirren in Eselsgestalt erhielt.

WO SICH DER ORT BEFINDET

Lage und Karte

Ort
Vimperk
Gemeinde / Ausgangspunkt
Vimperk
Bezirk / Region
Prachatice
Land
Tschechien
Entfernung und Richtung
29 km S von Strakonic
Ungefähre Lage auf der Karte

Der Link sucht nach Vimperk und Umgebung. Der genaue Schauplatz dieser Sage ist in den Quellen nicht belegt.

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QUELLEN DER ERZÄHLUNG

Quellen des ursprünglichen Atlas Tajemná místa · Seite 366

Diese Sage bewahrt eine volkstümliche Erzählung. Ihre Motive sind kein Beleg für übernatürliche Ereignisse.

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