Das sogenannte Fausthaus am Südrand des Karlsplatzes, heute die Apotheke der Stadt Prag in den Häusern Nr. 502 und 503, ist seit Beginn seiner Geschichte von geheimnisvollen Sagen umgeben. Zweifellos trugen dazu auch die seltsamen Besitzer bei, die das Haus durch einen merkwürdigen Zufall nacheinander innehatten. Zur Zeit Rudolfs II. wohnte hier der englische Alchemist Edward Kelley (siehe Jílové u Prahy). Um 1724 gehörte es der Familie Mladota von Solopysky, aus der Josef Petr Alchemie betrieb und für physikalische und chemische Versuche bekannt war. Vielleicht verdankt das Haus besonders ihm seinen Ruf. Der Sage nach lebte hier jedoch einst der legendäre Doktor Faust. An der Nordwestecke erhebt sich ein mächtiger zweigeschossiger Erker, dessen zweites Stockwerk von einer Kuppel überspannt ist. Dadurch soll der Teufel Mephistopheles Doktor Faust nach Ablauf des mit Blut besiegelten Vertrags fortgetragen haben. Bemerkenswert ist, dass an der Stelle des angeblichen Loches immer wieder rätselhafte Flecken auftreten. Der wirkliche Doktor Johannes oder Georgius Faust wurde um 1480 geboren. Er führte ein abenteuerliches Leben: Anfang des 16. Jahrhunderts zog er durch Mitteldeutschland, war Lehrer im rheinischen Kreuznach, wirkte danach in Erfurt und stellte in Bamberg dem Bischof ein Horoskop. Er beschäftigte sich mit schwarzer Magie, wurde 1528 aus Ingolstadt und 1532 aus Nürnberg ausgewiesen und starb um 1536. Seine Persönlichkeit war so ungewöhnlich, dass schon zu Lebzeiten die Sage entstand, er habe sich dem Teufel verschrieben. Er verkörpert den ewig suchenden Menschen, dessen innere Entwicklung vom enttäuschten Intellekt zum gesteigerten Erleben führt. Die Faustliteratur lässt sich grob in zwei Gruppen teilen. Die erste bilden „Faustiana“, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln sein bewegtes Leben und seine Auflehnung gegen Gott schildern. Am Anfang steht die von J. Spiess 1587 veröffentlichte Historia von Doktor Faust; es folgen Christopher Marlowes Drama, verschiedene Volksausgaben der Geschichten, Lessing, J. W. Goethe und weitere Werke bis heute. Die zweite Gruppe umfasst Ausgaben der sogenannten Höllenzwänge, magischer Grimoires über die Praxis der zeremoniellen Magie, die offenbar zu Unrecht Faust selbst zugeschrieben werden. Zu den bekanntesten Werken des „faustischen Zauberrituals“ gehört Magia naturalis et innaturalis, erstmals im 16. Jahrhundert in Passau veröffentlicht. Nach Böhmen kam die Sage wohl mit englischen Schauspielern um die Wende zum 17. Jahrhundert. Hier wurde sie um Motive des älteren Gegenstücks, des Zauberers Žito am Hof Wenzels IV., bereichert. 1611 veröffentlichte der Altstädter Ratsschreiber Martin Karchesius seine Geschichte Doktor Fausts und eröffnete damit eine Reihe von Volksausgaben, die bis zur Komödie von Doktor Faust des Puppenspielers Matěj Kopecký aus dem vorigen Jahrhundert reicht. Um die geheimnisvolle Person Fausts blieb vieles unklar. Tschechische Forschungsbeiträge verstärken die Vermutungen, indem sie sich auf den mittelalterlichen Bakkalaureus Šťastný von Příbram stützen, der in Deutschland angeblich die damals übliche lateinische Namensform Faustus annahm.
Lage und Karte
- Ort
- Praha
- Gemeinde / Ausgangspunkt
- Praha
- Bezirk / Region
- In den Quellen nicht angegeben
- Land
- In den Quellen nicht bestimmt
- Lage in den Quellen
- In den Quellen nicht näher angegeben.
Das sogenannte Fausthaus am Südrand des Karlsplatzes, heute die Apotheke der Stadt Prag in den Häusern Nr. 502 und 503, ist seit Beginn seiner Geschichte von geheimnisvollen Sagen umgeben. Zweifellos trugen dazu auch die seltsamen Besitzer bei, die das Haus durch einen merkwürdigen Zufall nacheinander innehatten. Zur Zeit Rudolfs II. wohnte hier der…
Der Link sucht nach Praha und Umgebung. Der genaue Schauplatz dieser Sage ist in den Quellen nicht belegt.
Ungefähre Lage · Suche nach Gemeinde oder Gebiet. Die Entfernung stammt aus den Quellen und ist keine aktuell berechnete Streckenlänge.
Quellen des ursprünglichen Atlas Tajemná místa · Seite 270
Diese Sage bewahrt eine volkstümliche Erzählung. Ihre Motive sind kein Beleg für übernatürliche Ereignisse.